Das Netzwerk „Energiekämpfe in Bewegung“ (EkiB) besteht aus verschiedenen Gruppen, Organisationen, Initativen und Bündnissen und setzt sich ein für eine global gerechte, demokratisch kontrollierte, soziale und ökologische Energieversorgung. Das Netzwerk  verfolgt das Ziel verschiedene Energiekämpfe stärker zu verknüpfen.
Unser Netzwerk ist offen für alle, die diese Vision mit uns teilen. Ein kritischer Umgang mit Sexismus, Rassismus, Homophobie, Handicapismus und andere Formen der Diskriminierung ist für uns selbstverständlich und solch ein Verhalten unerwünscht.


Energiekonzerne enteignen! Energieproduktion vergesellschaften! Energiekämpfe führen!

Gedanken zur Stoßrichtung der sozial-ökologischen Bewegung

in 2013 und darüber hinaus

Mit der Logik der Großtechnologien brechen!

Energieerzeugung bedeutet in Deutschland Atom und Kohle, Großkraftwerke und Großkonzerne. E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE sichern sich damit jedes Jahr Milliardengewinne. Kein Wunder: Um Kohle- und Atomstrom zu gewinnen, braucht man große Anlagen, die nur von Großkonzernen bereitgestellt werden können. Die Frage einer ökologischen, dezentralen und sozialen Energieversorgung ist also nicht nur eine Frage der richtigen Energieform. Vielmehr müssen hier laut und deutlich Macht- und Eigentumsfragen gestellt werden: Wer produziert wie, wozu und zu welchem/wessen Nutzen Energie? Aufruf als pdf

Es gibt kein Recht auf Profit!

Die Konzentration auf Großtechnologien sichert die Monopolstellung der Energiegiganten. Die vier Riesen setzen auf hohe Strompreise. In fast keinem anderen europäischen Land ist der Strom so teuer wie in Deutschland; zu teuer für viele, wie die hohe Zahl an Menschen zeigt, denen jedes Jahr der Strom abgeklemmt wird. Zugleich versuchen sie mit allen Mitteln möglichst lange riskante Atomkraftwerke zu betreiben und noch immer planen sie den Bau und den Weiterbetrieb von schmutzigen Kohlekraftwerken. Die Folgekosten, vor allem die negativen Folgen des Klimawandels und der Atommüll, werden im globalen Rahmen auf alle abgewälzt. Die deutschen Kraftwerke blasen so viel Treibhausgase in die Luft wie kaum in einem anderen Land in Europa und heizen damit den Klimawandel an. Damit sind sie mitverantwortlich für weltweit steigende Meeresspiegel, Hunger und Vertreibungen. Jährlich kommen riesige Mengen atomaren Abfalls hinzu, für den es bekanntermaßen keinen geeigneten Ort zur Lagerung gibt.

Alle bisherigen Regierungen (egal ob Rot, Grün, Gelb oder Schwarz) bedienen mit ihrer Energiepolitik ungeschminkt die Interessen der Energiemultis: Eine Energiepolitik, die kapitalistischer Logik folgt. Wir bekämpfen eine Ordnung, die Eigentumsrechte höher schätzt als unsere Lebensgrundlagen. Es gibt kein Recht auf Profit, aber wir kämpfen für ein Recht auf ein gutes Leben für alle Menschen.

Ökologisch – dezentral – sozial und demokratisch

Wenn wir alle selbst über die Ausgestaltung des Energiesystems und somit direkt über den Bau und Betrieb von Kraftwerken entscheiden könnten, wären Atom und Kohle längst Geschichte. Die Vergesellschaftung der Energiewirtschaft ist die faktische Voraussetzung für eine echte Energiewende: Eine dezentrale Produktion von erneuerbaren Energien, bei der das Recht auf Zugang zu Energie anerkannt und Entscheidungen demokratisch getroffen werden.

Die Energiekonzerne haben kein Interesse an einer vernünftigen Gestaltung der Stromerzeugung und einer Senkung des Energiebedarfs – sie wollen einen hohen Stromverbrauch, der ihnen hohe Profite beschert. Sie werden nicht an ihrer eigenen Entmachtung mitarbeiten, also müssen wir sie abwickeln. Das bedeutet konkret: Die Stromnetze und Kraftwerke, die bisher den vier großen Konzernen gehören, werden in die Hände der Städte und Kommunen gegeben und von neu zu gründenden kommunalen Betrieben bewirtschaftet. Die Aufgabe dieser Betriebe ist die Bereitstellung von Energiedienstleistungen für ihre Region und die Bekämpfung von Energiearmut. Sie müssen ihre Energieproduktion so schnell wie möglich auf erneuerbare Energien umstellen. Diese Betriebe werden von direkt gewählten Vertreter_innen der Beschäftigten und der Einwohner_innen geführt und wichtige Entscheidungen regional und basisdemokratisch getroffen.
Energiedienstleistungen sind Teil der sozialen Infrastruktur und keine Waren.

Wir brauchen Strukturen, in denen alle gemeinsam über die Produktion und Nutzung von Energie entscheiden können. Eine ökologische, soziale und basisdemokratische Aneignung der Energieproduktion sind für eine tatsächliche Neuausrichtung des Energiesystems unerlässlich.

Energiekämpfe zusammenbringen

Diese ökologische-soziale und basisdemokratische Umstellung wird nicht von alleine stattfinden, gegen sie stehen mit der Lobby der Atom- und Fossilwirtschaft mächtige Akteure. Um diesen stark entgegenzutreten, müssen wir unsere vielfältig bereits stattfindenden Kämpfe gemeinsam denken: als Energiekämpfe.
Energiekämpfe finden sich im Widerstand gegen Abbaggerungen von Dörfern für Kohleabbau, im Blockieren von Castorschienen, beim Protest gegen Stromabklemmungen oder der Wiederaneignung der Energienetze. Sie sind bereits da und sie werden nicht morgen beendet sein. Denn wenn die Umstellung des Energiesystems voranschreitet, wird die Gegenwehr auf Seiten der momentanen Profiteure wachsen, und dann wird auch unser Widerstand wachsen müssen. Deshalb sollten wir ihn bereits jetzt als gemeinsames Projekt verstehen und uns aufeinander beziehen.

Aktivist_innen für Energiekämpfe in Bewegung

Wo werden bereits Energiekämpfe geführt? – Einige Beispiele

Das Berliner Bündnis „Vattenfall in die Tonne“ gründete sich 2012 und fokussiert sich als regionales Bündnis auf den schwedischen Staatskonzern Vattenfall, der in Deutschland die höchsten CO2-Emissionen pro erzeugte kW/h zu verzeichnen hat und direkt vor unserer Haustür in Berlin aktiv ist. Vattenfall setzt dabei auf fossile und atomare Großstrukturen und treibt die politische Ermöglichung von CO2 Speicherung entscheidend voran. Der Glaube an diese Technologie erinnert an die Einführung der Kerntechnik, die ebenfalls ohne Bereitstellung eines sicheren Endlagers stattfand.
Das Bündnis besteht aus autonomen Gruppen, Anti-AKW und Klimagruppen, Einzelpersonen, sowie politischen Verbänden und Jugendorganisationen. Uns verbindet die Kritik an der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Macht der Energie-Groß-Konzerne: E.On, EnBW, RWE und Vattenfall, die ausschließlich profitorientiert handeln. Wir treten ihr mit Informationsarbeit und direkten Aktionen entgegen um ihre lebensfeindlichen Aktivitäten publik zu machen.
http://vattenfallindietonne.blogsport.eu/

Die Kampagne ausgeCO2hlt hat sich Ende des Jahres 2011 gegründet, um den Widerstand gegen das von RWE betriebene Rheinische Braunkohlerevier, Europas größter CO2 Schleuder, aufzubauen und zu vernetzen. Wir sind ein spektrenübergreifendes Bündnis von Klimaaktivist_innen, welche mit direkten Aktionen und zivilem Ungehorsam die Klimabewegung in die Offensive bringen wollen, um einen sofortigen Braunkohleausstieg zu erreichen. Im letzten Jahr waren viele von uns bei der Organisation des Klimacamps im Rheinischen Braunkohlerevier aktiv auf dem über 12 Stunden die Kohlezüge von RWE blockiert wurden. Seit der Gründung von ausgeCO2hlt organisierten wir Aktionen gegen die Jahreshauptversammlung von RWE in Essen, sind bei der Waldbesetzung im hambacher Forst aktiv und haben die Blockupy Aktionstage in Frankfurt unterstützt. Vom 3. bis 12. August wird unser nächstes Klimacamp im rheinischen Braunkohlerevier stattfinden, als Ort für Aktionen, Bildung, Vernetzung und ein nachhaltiges Leben.
http://www.ausgeco2hlt.de/

Das Lausitzer Klima- und Energiecamp fand zum ersten Mal 2011 in Jänschwalde in Brandenburg statt, in unmittelbarer Nähe des 3000 Megawatt Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Nachdem 2011 vor allem das Thema CCS Schwerpunkt war, zeichnet sich 2012 ab, dass die rot-rote Landesregierung Brandenburgs sich immer noch nicht von der drittgrößten Dreckschleuder Europas verabschiedet hat – auch ohne große Aussicht auf den Einsatz von CCS. Die Erweiterung des bereits jetzt gigantischen Kraftwerks steht weiterhin im Raum, womit auch der Aufschluss neuer Tagebaue, weitere Umsiedelungen und höhere CO2 Emissionen verbunden wären. Das Kraftwerk Jänschwalde und die zahlreichen Tagebaue der Lausitz bleiben deshalb ein Kristallisationspunkt für Energiekämpfe. Mit einem Klima- und Energiecamp macht das breite Bündnis aus BI’s und anderen politischen Gruppen auch 2012 auf die ungeklärten Fragen der Klimagerechtigkeit aufmerksam und schafft selbstorganisiert vielfältige Diskussions- und Aktionsräume.
http://www.lausitzcamp.info/

Das antiatom bündnis berlin-potsdam kämpft für die stilllegung des berliner forschungsreaktors am wannsee. In der Bürgerinitiative arbeiten sowohl Anwohnerinnen aus Wannsee und Babelsberg sowie Aktivistinnen von Anti Atom Berlin (http://atomreaktor-wannsee-dichtmachen.de) Der atomreaktor ist zwar klein aber trotzdem hochgefährlich. Gerade hat die Reaktor-Sicherheitskommission dem Atommeiler ein vernichtendes Urteil ausgesprochen. Es fehlt eine heute weltweit vorgeschriebene Sicherheitskuppel und bei einer Kernschmelze müssen mehr als 10.000 evakuiert werden. Doch der Berliner Senat sieht keinen Handlungsbedarf. Doch durch die Aktivitäten des Bündnisses wächst der Druck von unten…